Publikationsdatum: 6. Februar 2025
«Wandel ist keine Raketenwissenschaft, braucht aber den richtigen Raum»
Rico Löhrer begleitet als agiler Teamcoach, Supervisor und betrieblicher Mentor Führungskräfte durch Veränderungsprozesse. Im Interview erklärt er, wie gezielte Unterstützung Teams in Zeiten des Wandels zum Erfolg führt.
Lesedauer: ca. 7 Minuten
Rico Löhrer
Rico Löhrer gründete im Januar 2025 sein eigenes Unternehmen Rico Löhrer Business Coaching. Sein Angebot umfasst agiles Teamcoaching und Supervision – Begleitung von Führungsteams in Veränderungsprozessen –, betriebliches Mentoring und Change Management – Begleitung von Organisationen im Wandel mit seinem Projekt CHANGEONAUT ICS
www.loehrer-businesscoaching.ch
Sie haben den Lehrgang Betriebliches Mentoring erfolgreich abgeschlossen und dann auch den Lehrgang CAS Agile Teamcoaching und Supervision beim Coachingzentrum absolviert. Was hat Sie dazu bewogen, diese Ausbildungen zu wählen?
RICO LÖHRER: Von Beginn an wollte ich Teams und Organisationen durch Veränderungsprozesse begleiten. Dafür war es mir wichtig, zuerst fundierte Erfahrung im Einzelcoaching zu sammeln. Das entsprechende Ausbildungsangebot des Coachingzentrums überzeugte mich.
Welche Aspekte des Lehrgangs waren für Sie besonders wertvoll, und wie haben diese Ihren Blick auf die Arbeit mit Teams geprägt?
Der Lehrgang vermittelte klar die unterschiedlichen Rollen und Methoden von Teamcoaching und Supervision. Besonders wertvoll war der viertägige Block zur Gruppendynamik: Die intensive Erfahrung authentischer Teamprozesse stärkte meine Begleitungskompetenz nachhaltig. Die praxisnahe Ausbildung ermöglicht mir heute den gezielten Einsatz verschiedener Interventionen im Berufsalltag.
Wie wenden Sie die Methoden und Werkzeuge des agilen Teamcoachings in Ihrer Praxis konkret an? Gibt es bestimmte Techniken oder Ansätze, die Sie besonders häufig nutzen?
Ich nutze ein breites Repertoire für meine Arbeit besonders gerne verwende ich den Team-Canvas und die Eskalationsstufen nach Glasl für Konfliktarbeit.
Sie befinden sich gerade im Übergang zur Selbstständigkeit mit Ihrem Unternehmen Rico Löhrer Business Coaching. Was bieten Sie an?
Als agiler Teamcoach begleite ich primär Führungsteams in Veränderungsprozessen. Diese sind mehrfach gefordert: als Mitarbeitende, als Team-Mitglieder und als Vorgesetzte. Da braucht es oftmals eine gezielte Unterstützung. Zusätzlich biete ich als betrieblicher Mentor Einzelcoachings für Mitarbeitende in Unternehmen an, um sie in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu unterstützen.
Was hat Sie bewogen, als Coach den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen? Gab es dafür einen ausschlaggebenden Moment?
Ein Coaching vor 13 Jahren wurde richtungsweisend: Mein Coach forderte mich damals auf, über meine berufliche Zukunft nachzudenken – was kann ich gut, wo erziele ich Wirkung, wo erhalte ich positive Rückmeldungen und was bereitet mir Freude. Dies führte zur Weiterbildung und nun zur Selbstständigkeit als Teamcoach/Supervisor und betrieblicher Mentor.
Für angehende Coaches, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen, ist es oft entscheidend, eine klare Nische zu finden. Wie haben Sie Ihre Nische definiert?
Ich fokussiere auf Führungsteams während Veränderungsprozessen. Mit CHANGEONAUTICS entwickle ich zudem meine Expertise im Change Management – denn Wandel ist keine Raketenwissenschaft, braucht aber den richtigen Raum.
Für Unternehmen ist es wichtig, den Mehrwert von agilen Ansätzen zu verstehen. Wie überzeugen Sie Teams oder Führungskräfte von den Vorteilen Ihrer Arbeit?
Die (Arbeits-)Welt war schon immer ständigen Veränderungen ausgesetzt. Komplexität und Tempo nehmen jedoch stetig zu. Um Veränderungsziele zu erreichen, brauchen Teams sowohl Struktur als auch Entfaltungsraum – beides wird durch gezielte Begleitung ermöglicht.
Wie unterstützen Sie Teams bei der nachhaltigen Umsetzung von Agilität und Selbstorganisation?
Indem ich ihnen mit meiner Begleitung den erforderlichen Raum verschaffe, damit sie gemeinsam die notwendigen Strukturen, Rollen und Verantwortlichkeiten erarbeiten können. Diese Rahmenbedingung brauchen Teams, damit alle partizipieren und ihre unterschiedlichen Perspektiven und Ressourcen einbringen können. Auch regelmässige Reflexion und Entwicklungsanpassung werden dadurch möglich.
Können Sie konkrete Fallbeispiele nennen oder von Erfolgsgeschichten berichten?
Ein spannendes und erfolgreiches Beispiel aus der Praxis: Ich begleite aktuell ein Führungsteam eines grösseren IT-Unternehmens, das sich mit der gesamten Organisation vor einem Jahr komplett agil aufgestellt hat. Nun geht es darum, wie die Führungspersonen in der Organisationsleitung zusammenarbeiten und sich individuell wie auch als Team in der Organisation entwickeln und weitere Impulse setzen.
«Teams brauchen Raum, damit sie gemeinsam die notwendigen Strukturen erarbeiten und sich mit ihren unterschiedlichen Perspektiven einbringen können.»
Was empfehlen Sie anderen Coaches oder Teamleitenden, die sich für agiles Teamcoaching interessieren?
Coaches und Teamleitende sollten zuerst ihre eigene Haltung reflektieren und Gelassenheit entwickeln. Gruppendynamik folgt selten dem Plan – genau darin liegt ihre Kraft.



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