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Publikationsdatum: 6. Januar 2026

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden stärken können

Die Schweizer Arbeitswelt steht unter Druck: Längere Arbeitszeiten, mehr Stress und steigende Ausfallzeiten prägen den Alltag vieler Beschäftigter. Während 28% der Erwerbstätigen unter kritischem Job-Stress leiden und über 30% sich emotional erschöpft fühlen, wächst die Erkenntnis, dass nachhaltiges Wirtschaften auch gesunde Mitarbeitende voraussetzt. Betriebliches Gesundheitsmanagement und Resilienzförderung bieten Wege aus dieser Belastungsfalle – doch wie können Unternehmen diese erfolgreich umsetzen?

Volle Woche, leere Akkus: Wie Unternehmen durch Unterstützung, Wertschätzung und gesunde Strukturen ihre Mitarbeitenden stärken.

BGM Coaching Mental Health

Von Sonja Kupferschmid und Sophie Plüss

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Gemäss Bundesamt für Statistik arbeiten im Primärsektor Vollzeit-Angestellte durchschnittlich 44 Stunden und 35 Minuten pro Woche. Damit liegt die Schweiz über dem Durchschnittswert der EU-Länder. Die Arbeitszeiten der Schweizer Arbeitnehmenden zeigen ihre negativen Auswirkungen: In den letzten beiden Jahren haben krankheitsbedingte Ausfälle in der Schweiz zugenommen. (Bundesamt für Statistik, 2025). Gemäss Eric Bürki, Leiter des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) bei Gesundheitsförderung Schweiz, nehmen die Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen stark zu (Thüler, 2024). Der Job-Stress-Index 2022 zeigte, dass sich trotz leichter Abnahme im Vergleich zum Jahr 2020 bei rund 28% der Schweizer Erwerbstätigen der Wert auf einem kritischen Level befindet. Über 30% fühlen sich sehr oder ziemlich emotional erschöpft. Dies ist eine Folge grosser Belastung mit zu wenig Regenerationszeit. Es wird geraten, den Job-Stress-Index als Warnsignal zu sehen und dem hohen Wert entgegenzuwirken (Gesundheitsförderung Schweiz, 2022). Es wird ersichtlich, dass Mitarbeitende der Schweizer Arbeitswelt unter grossem Druck stehen, was sich auf die physische und psychische Gesundheit auswirkt (Studer, 2024).

BGM als fester Bestandteil der Unternehmenskultur
Das betriebliche Gesundheitsmanagement rückt die Mitarbeitenden eines Unternehmens und deren Gesundheit in den Fokus. Mit konkreten Massnahmen, wie zum Beispiel gesunder Ernährung und Stressreduktion, sollte im Arbeitsalltag die psychische Belastung minimiert und die Gesundheit der Mitarbeitenden gestärkt werden (Bundesministerium für Gesundheit, 2025; Gesundheitsförderung Schweiz, o. D.). Die Studie von Füllemann et al. (2025) zum BGM in Schweizer Betrieben zeigte, dass im Zeitraum von 2016 bis 2024 immer mehr Betriebe auf die Umsetzung von BGM-Massnahmen setzen und nur ein kleiner Anteil an Schweizer Betrieben solche Massnahmen noch wenig bis gar nicht eingeführt hat. Das betriebliche Gesundheitsmanagement sollte jedoch nicht vom Unternehmen getrennt, sondern als fester Bestandteil davon betrachtet werden. Den Mitarbeitenden sollten die zu vermittelnden Werte und das Umdenken vorgelebt werden. Das BGM möchte eine nachhaltige Work-Life-Balance für die Mitarbeitenden eines Unternehmens unterstützen (Studer, 2024). Um Arbeitsausfällen entgegenzuwirken, wird neben der Schaffung flexibler Arbeitszeiten und Berücksichtigung ergonomischer Aspekte am Arbeitsplatz auch die Stärkung der Resilienz empfohlen. Gemäss dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (o. D.) ist Resilienz «die Fähigkeit von Personen oder Gemeinschaften, schwierige Lebenssituationen wie Krisen oder Katastrophen ohne dauerhafte Beeinträchtigung zu überstehen». Resilienztrainings können helfen, Stress zu reduzieren oder vorzubeugen und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu steigern. Anhand solcher Massnahmen kann das betriebliche Gesundheitsmanagement positive Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeitenden haben und so Arbeitsausfällen entgegenwirken (Gabriel, 2005; Studer, 2025; Thüler, 2024).

Was Unternehmen tun können
Konkrete Massnahmen können entlang den folgenden drei Säulen des BGMs aufgegleist werden: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) sowie Abwesenheitsmanagement und Case Management. Positive Rückmeldungen und Feedbackmöglichkeiten für die Mitarbeitenden können helfen, die Belastung am Arbeitsplatz zu verringern. Ebenfalls sollten Mitarbeitende, die über einen längeren Zeitraum abwesend waren, schnellstmöglich in den Arbeitsalltag und in das Team reintegriert werden. Unternehmen sollten durch die Minimierung von Belastungen, wie zum Beispiel Stress und Überforderung, die Ressourcen der Mitarbeitenden fördern und schützen (Gesundheitsförderung Schweiz, 2020). Die Resilienz innerhalb eines Unternehmens, also in einem Team, kann durch achtsame Führung, Bildung einer Teamidentität und durch das Teilen gemeinsamer Verantwortung gestärkt werden (Unkrig, 2021). Unternehmen können durch die Unterstützung eines ausgebildeten Resilienztrainers diese Massnahmen umsetzen und langfristig die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeitenden stärken.

Die vorliegenden Daten zeigen deutlich, dass der Druck in der Arbeitswelt auch künftig weiter steigen wird – beispielsweise durch neue, noch unvertraute Technologien und Fachkräftemangel (Bundesrat, 2022). Darunter leidet die Gesundheit der Mitarbeitenden, und es kommt zu immer mehr Arbeitsausfällen. Für die Unternehmen ist es nun wichtig, dem entgegenzusteuern. Dazu eignet sich ein vollumfängliches, integriertes betriebliches Gesundheitsmanagement, das die Gesundheit der Angestellten fördert und Belastung und Stress reduziert.

Dieser Beitrag wurde in der Ausgabe September 2025 von personalSCHWEIZ publiziert.

Quellenangaben:

Bundesrat (2022, 09. Dezember). Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt – Monitoring 2022. https://www.seco.admin.ch/dam/seco/de/dokumente/Wirtschaft/Wirtschaftspolitik/digitalisierung/auswirkungena-digitalisierung_arbeitsmarkt-monitoring_2022.pdf.download.pdf/Auswirkungen%20der%20Digitalisierung%20auf%20den%20Arbeitsmarkt%20-%20Monitoring%202022.pdf 
Bundesamt für Statistik (2025, 22. Mai). 03 Arbeit und Erwerb [Medienmitteilung]. https://dam-api.bfs.admin.ch/hub/api/dam/assets/35008001/master
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (o. D.). Resilienz. https://www.bmz.de/de/service/lexikon/resilienz-70564
Bundesministerium für Gesundheit (2025, 27. Januar). Betriebliche Gesundheitsförderung. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/betriebliche-gesundheitsfoerderung.html
Füllemann, D., Wüthrich, M., Stanic, D., Jenny, G., Jensen, R. & Krause, A. (2025). Betriebliches Gesundheitsmanagement in Betrieben in der Schweiz: Monitoring-Ergebnisse 2024. https://friendlyworkspace.ch/system/files/documents/2025-04/Ergebnisbericht_BGM-Monitoring_2024.pdf
Gabriel, T. (2005). Resilienz – Kritik und Perspektiven. Zeitschrift für Pädagogik, 51(2), S. 207-217. https://digitalcollection.zhaw.ch/server/api/core/bitstreams/75cd446c-d92d-41fc-9a64-37ad3cfb78de/content
Gesundheitsförderung Schweiz (o. D.). Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). https://gesundheitsfoerderung.ch/unser-engagement/betriebliches-gesundheitsmanagement
Gesundheitsförderung Schweiz (2020). Ihr Einstieg ins betriebliche Gesundheitsmanagement. Gesundheit der Mitarbeitenden stärken. https://gesundheitsfoerderung.ch/sites/default/files/remote-files/Ihr_Einstieg_ins_betriebliche_Gesundheitsmanagement.pdf
Gesundheitsförderung Schweiz (2022). Job-Stress-Index 2022. Monitoring von Kennzahlen zum Stress bei Erwerbstätigen in der Schweiz [Faktenblatt 72]. https://friendlyworkspace.ch/system/files/documents/2022-10/Faktenblatt_072_GFCH_2022-08_-_Job-Stress-Index_2022.pdf
Studer, D. (2024, 14. Februar). Betriebliches Gesundheitsmanagement Schweiz. https://workmind.ch/betriebliches-gesundheitsmanagement-schweiz/
Tühler, D. (2024, 24. Juni). «Organisationale Resilienz ist in vielen Firmen noch nicht wirklich ein Thema». https://www.hrtoday.ch/de/article/organisationale-resilienz-ist-vielen-firmen-noch-nicht-wirklich-ein-thema
Unkrig, E. R. (2021). Resilienz im Unternehmen – den Faktor Mensch fördern. Handlungsempfehlungen und praktische Umsetzung. Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-658-34591-4

Die Autorenschaft

Sonja Kupferschmid

leitet als Co-Geschäftsführerin das Coachingzentrum in Olten. Die Arbeits- und Organisationspsychologin verbindet ihre Expertise in Produktentwicklung mit fundierter Coaching-Erfahrung und hat das Weiterbildungsportfolio des Coachingzentrums wesentlich mitgeprägt. Mit ihrer langjährigen Praxis hat sie sich als Spezialistin in den Bereichen Coaching, betriebliches Mentoring, Resilienztraining, Teamcoaching und Supervision etabliert.

Sophie Plüss

hat den Bachelorstudiengang Kommunikationswissenschaft & Medienforschung an der Universität Zürich erfolgreich abgeschlossen. Sie unterstützt das Coachingzentrum als Creative Assistant in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Produktentwicklung.

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