Publikationsdatum: 17. Mai 2026
«Ich bin klarer geworden in meiner Rolle, in meiner Kommunikation und auch in meinen Grenzen»
Für Diana Gambella-Boucinha war der Lehrgang Betriebl. Mentor:in mit eidg. Fachausweis weit mehr als eine fachliche Weiterbildung. Sie lernte, die Kraft der richtigen Fragen zu nutzen und Menschen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Antworten zu finden. Im Interview erzählt die betriebliche Mentorin und Education Managerin, weshalb Selbstreflexion für sie tägliche Praxis ist und wie Klarheit, Struktur und Empathie ihre Arbeit prägen.
Interview: Coachingzentrum
Lesedauer: ca. 2 Minuten
Diana Gambella-Boucinha
Diana Gambella-Boucinha ist betriebliche Mentorin und Coach sowie Education Manager bei Keune Haircosmetics Schweiz, mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Beauty- und Bildungsbranche. Sie begleitet Menschen und Teams in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung – mit einem klaren Fokus auf Struktur, Klarheit und Wachstum.
Was hat dich ursprünglich dazu motiviert, die Ausbildung zur betrieblichen Mentorin mit eidgenössischem Fachausweis beim Coachingzentrum zu absolvieren?
DIANA GAMBELLA-BOUCINHA: Mich hat vor allem eines motiviert: der Wunsch, Menschen wirklich in der Tiefe zu verstehen und sie auf ihrem Weg wirksam zu begleiten. Diese Faszination für Entwicklung war schon immer da, sei es im beruflichen Kontext oder in persönlichen Gesprächen. Die Ausbildung war für mich der nächste konsequente Schritt, dieser Passion einen klaren Rahmen und eine fundierte Methodik zu geben. Ich wollte nicht nur intuitiv begleiten, sondern bewusst, reflektiert und mit echter Wirkung.
Wenn du den Begriff «betriebliche Mentorin» in ein paar Sätzen zusammenfassen müsstest, wie würdest du ihn beschreiben?
Für mich ist eine betriebliche Mentorin eine Art Übersetzerin zwischen Potenzial und Umsetzung. Es geht nicht darum, Lösungen vorzugeben, sondern Menschen so zu begleiten, dass sie ihre eigenen Antworten finden, fundierte Entscheidungen treffen und ins Handeln kommen.
Gab es während der Ausbildung einen besonderen Aha-Moment oder eine Erkenntnis, der dich nachhaltig geprägt hat?
Ein prägender Moment war für mich die Erkenntnis, dass gute Begleitung oft weniger mit «mehr Input» zu tun hat, sondern mit den richtigen Fragen zur richtigen Zeit. Ich habe gelernt, Stille auszuhalten, nicht sofort zu intervenieren und darauf zu vertrauen, dass im Gegenüber bereits sehr viel da ist. Das hat nicht nur meine Arbeit verändert, sondern auch meine Haltung: Weg vom «Ich muss helfen» hin zu «Ich halte den Raum, in dem Entwicklung möglich wird.»
Ich habe gelernt, Stille auszuhalten, nicht sofort zu intervenieren und darauf zu vertrauen, dass im Gegenüber bereits sehr viel da ist.
Du arbeitest als Education Manger und bist als betriebliche Mentorin selbstständig – welche Inhalte oder Kompetenzen aus der Ausbildung sind in diesen Rollen besonders wertvoll?
Was ich täglich nutze, ist vor allem die Fähigkeit, schnell Klarheit in komplexe Situationen zu bringen, ohne vorschnell zu vereinfachen. Als Education Manager hilft mir das, Mitarbeitende gezielter zu entwickeln und Gespräche auf eine tiefere Ebene zu führen. In meiner selbstständigen Tätigkeit als betriebliche Mentorin ist es besonders die Verbindung aus Struktur und Empathie: Viele Coaches und Therapeuten haben unglaublich viel Fachkompetenz, aber kämpfen mit Positionierung, Fokus oder Umsetzung. Hier kann ich durch die Ausbildung sehr gezielt begleiten, ohne ihnen meine Lösung überzustülpen.
Welche Tools oder Methoden nutzt du aus der Ausbildung zur betrieblichen Mentorin am häufigsten?
Ich arbeite sehr viel mit strukturierten Reflexionsformaten und klaren Fragetechniken. Besonders häufig nutze ich:
- systemische Fragetechniken
- Ziel- und Standortbestimmungen
- Perspektivenwechsel
- und Elemente aus der lösungsorientierten Gesprächsführung
Was sich aber verändert hat: Ich sehe Tools heute weniger als Techniken, sondern eher als Angebote im Gespräch, die ich situativ einsetze.
Wie sieht ein typischer Tag in deiner Arbeit als betriebliche Mentorin aus?
Einen klassischen Tag gibt es bei mir nicht, und genau das ist mein Element. Neben meiner Rolle als Education Manager begleite ich Coaches und Therapeuten dabei, ihr Business wirklich auf den Punkt zu bringen, nicht nur schöner zu denken, sondern klar zu strukturieren und umzusetzen. Ich arbeite bewusst selten mit einzelnem Coaching, sondern begleite über einen längeren Zeitraum, weil echte Entwicklung nicht in einer Stunde passiert, sondern im Dranbleiben. Oft höre ich: «Das hätte ich alleine so nie gesehen.» Und genau darum geht es: Blinde Flecken sichtbar machen, Klarheit schaffen und Dinge in Bewegung bringen, die lange festgesteckt haben.
Welche Rolle spielt Selbstreflexion in deinem beruflichen Alltag?
Selbstreflexion ist für mich kein zusätzlicher Bestandteil, sie ist die Grundlage meiner Arbeit. Ich kann andere nur so gut begleiten, wie ich bereit bin, mich selbst zu hinterfragen. Das bedeutet konkret: Ich reflektiere regelmässig meine Gespräche, meine Wirkung und auch meine eigenen Muster. Gerade in der Rolle als betriebliche Mentorin ist das entscheidend, um nicht unbewusst zu lenken, sondern wirklich offen zu begleiten.
Und genau darum geht es: blinde Flecken sichtbar machen, Klarheit schaffen und Dinge in Bewegung bringen, die lange festgesteckt haben.
Wenn du auf deine Entwicklung seit dem Abschluss zurückblickst: Was hat sich durch die Ausbildung nachhaltig verändert?
Ich bin klarer geworden in meiner Rolle, in meiner Kommunikation und auch in meinen Grenzen. Früher hatte ich oft den Anspruch, möglichst viel zu geben. Heute arbeite ich bewusster damit, was wirklich hilfreich ist, und was nicht.
Was hättest du Absolventen gefragt, hättest du vor der Ausbildung die Möglichkeit dazu gehabt?
Ich hätte wahrscheinlich gefragt: «Was hat sich bei euch wirklich verändert, nicht nur fachlich, sondern in eurer Haltung?»
Würdest du die Ausbildung zur betrieblichen Mentorin / zum betrieblichen Mentor weiterempfehlen? Und wenn ja, wem besonders?
Ja, definitiv. Ich würde die Ausbildung besonders Menschen empfehlen, die nicht nur Wissen weitergeben wollen, sondern Entwicklung wirklich begleiten möchten. Also Führungspersonen, HR-Verantwortlichen, Coaches, aber auch allen, die spüren, dass sie mit Menschen arbeiten und dabei mehr Tiefe, Klarheit und Wirksamkeit entwickeln wollen. Es ist keine Ausbildung, die man «einfach macht», sie verändert, wie man auf Menschen schaut und mit ihnen arbeitet.


Coachingzentrum