Publikationsdatum: 5. Dezember 2022
«Ich weiss, dass das Thema Mensch immer wichtiger wird und daher hält die Zukunft noch einiges bereit.»
Lesedauer: ca. 7 Minuten
Patrick Roth
Betrieblicher Mentor mit eidg. FA / Dipl. Coach SCA & zertifizierter Resilienz Coach / Project Manager IPMA certified / Swisscom Personalvertreter INI Zentralschweiz / Präsident Syndicom Firmenvorstand Swisscom Schweiz / MOVENDO Bildungsbotschafter
Lieber Patrick, du hast vor kurzem unseren Lehrgang «Coaching Mentoring» besucht. Was hat dich dazu bewogen?
PATRICK ROTH: In meinem beruflichen Alltag und im Laufe meiner Karriere habe ich irgendwann begonnen, hinter die Kulissen der Prozesse zu schauen. Ich habe mich immer mehr dafür interessiert, wer die Menschen hinter den Prozessen sind, wie sie fühlen und was sie antreibt, wie es ihnen dabei geht. Dieser Impuls hat sich verstärkt, so habe ich begonnen mich zu erkundigen, wie ich mein Interesse verfolgen kann und bin dann schnell auf das Weiterbildungsangebot des Coachingzentrum Olten gestossen.
In der Ausbildung zum betrieblichen Mentor sah ich eine passende Gelegenheit, mich im Kontext meiner Arbeit gezielt mit Personen und deren Persönlichkeit zu beschäftigen und konnte so meiner Neugier eine neue Spielfläche bieten.
Was hat dich besonders überzeugt an dieser Ausbildung? Was waren die Highlights?
Bereits von Anfang an hat mich die Vielfalt der Teilnehmenden überzeugt. So konnte ich viele Menschen aus völlig anderen Branchen mit denselben Themen treffen, mich mit ihnen austauschen und meinen Horizont dadurch enorm erweitern.
«Der regelmässige Austausch im Präsenzunterricht war für mich ein Highlight während des Lehrganges.»
Durch diese Vielfalt konnte ich mein Network vergrössern und diversifizieren. Diese Einblicke in mir bisher verschlossenen Gebiete, die ich auch in Zukunft über mein Netzwerk hoffentlich bekommen werde, sind unbezahlbar.
Was hat dich an der Ausbildung überrascht?
Positive Überraschungen gab es einige. Die wahrscheinlich grösste Überraschung war für mich meine ganz persönliche Entwicklung, welche sich im Alltag, ob beruflich wie auch familiär, bemerkbar gemacht hat. Ich wurde ruhiger im Umgang mit meinen Mitmenschen und begann, Fragen zu stellen und zuzuhören.
«Ich stelle mehr und tiefere Fragen, hinterfrage Dinge bei mir als auch bei meinem Gegenüber und dabei fühle ich mich, als wäre ich wieder ein Kind, welches ständig fragt: Wieso? Warum?»
Was hat dich während des Lehrgangs am meisten herausgefordert?
Die konstante Auseinandersetzung mit mir selbst und das «sich bewusst machen», in welcher Rolle man agiert und welchen Hut man gerade aufgesetzt hat, war herausfordernd. Dies benötigt sehr viel Training und Reflexionsarbeit. Das war eine schöne und lehrreiche Challenge mit dem Hier-und-Jetzt.
Welche Erfahrungen und Impulse aus dem Lehrgang haben dich persönlich am stärksten geprägt?
Die gesamte Ausbildung an sich hat mich stark geprägt und mich darin bestärkt, dass es das Menschliche hinter den Kulissen ist, was zählt. Übernommen habe ich dies nicht nur im beruflichen sondern – wie gesagt – auch im privaten Umfeld. Mit meinen Kindern, welche altersbedingt langsam empfänglich sind für tiefere, systemische Fragen, habe ich dadurch sehr nachhaltige Gespräche über das, was sie gerade beschäftigt.
Wie hat sich dein Berufsalltag seit deiner Ausbildung zum Coach und betrieblichen Mentor verändert? Was genau machst du anders?
Durch diese Ausbildung konnte ich mich nicht nur persönlich, sondern auch beruflich weiterentwickeln und neue Positionen mit erweiterten Aufgaben übernehmen.
«Früher wurde das Thema Mensch und sein Erleben bilateral behandelt; im Lift, an der Kaffeemaschine oder in der Kantine. Heute finden diese Gespräche Platz im Daily Business, es ist nun ein Punkt auf meinem Stellenbeschrieb als Götti, als Mentor.»
Dadurch konnte ich auch meine Herangehensweise im Umgang mit Mitarbeitenden weiterentwickeln. Ich habe gelernt, Personen individuell
abzuholen und so ihre persönlichen Ansichten, Sorgen und Potenziale zu erkennen.
Welche neuen beruflichen Möglichkeiten sind für dich durch die Ausbildung entstanden?
Meine persönliche Weiterentwicklung merken natürlich auch meine Mitarbeitenden. Sie schätzen es, dass ich sie und ihre Persönlichkeit in den Fokus nehme, sie fühlen sich ernstgenommen. Dadurch kann ich mich nächstes Jahr zur Wahl stellen für einen Führungsposten in der Organisation.
Ein grosser Faktor spielt dabei die Wegbereitung von vorgegangenen Absolventinnen und Absolventen des Lehrganges, denn betriebliches Mentoring ist mittlerweile anerkannt und immer stärker gefragt. Als betrieblicher Mentor und Coach kann ich nun dieser Nachfrage nachgehen, was aber auch einen Bumerang mit sich ziehen kann: Man muss aufpassen, dass man sich nicht zu viel aufbürdet, weil die Strukturen vielleicht noch nicht so gegeben sind wie bei mir. Wer Mentor/-in ist, kann nicht im gleichen Pensum den vorherigen Aufgaben nachgehen.
«Aber zum Glück wird dies dank der Anerkennung dieser Berufsbezeichnung von den Organisationen verstanden und das Menschliche findet zeitlich Platz im Tagesgeschäft.»
Dazu ist es eine grosse Chance, in Sachen interkultureller Austausch dazu zu gewinnen. Durch den Austausch mit den verschiedenen Generationen, zum Beispiel Boomer-Jahrgänge und Millennials, kann gegenseitig voneinander profitiert werden. Das ist enorm befriedigend. Mittlerweile mache ich es so gerne, dass ich hin und wieder auserwählte private Coachings, ausserhalb meiner Arbeitsstelle, anbiete.
Wie geht es für dich nach dem Abschluss weiter?
Wie bereits erwähnt wurde ich nun aufgestellt für die Wahl in ein geschäftsinternes Führungsgremium. Mal schauen, was dabei rauskommt. Ansonsten bin ich offen und sehr gespannt darauf, was durch diese Ausbildung noch alles auf mich zukommen wird.
«Ich weiss, dass das Thema Mensch immer wichtiger wird und daher hält die Zukunft noch einiges bereit.»
Was denkst du, für wen eignet sich diese Ausbildung? Was sollten potenzielle Interessenten unbedingt wissen?
Ich glaube wirklich, dass alle dazu imstande sind. Die Frage ist nur, wie empfänglich man für das Thema ist. Es braucht auf jeden Fall ein gewisses Interesse am Menschen sowie eine tiefe Liebe zum Menschsein.
Was hättest du Absolventen gefragt, hättest du vor der Ausbildung die Möglichkeit dazu gehabt?
Das ist eine gute Frage. Ich hatte im Vorfeld einige Fragen, die meisten davon haben sich im Laufe der Ausbildung geklärt. Ich habe einen grossen Respekt vor diesen Vorreitern und verdanke ihnen und ihrem explorativen Verhalten vieles.
«Ich hätte die Menschen, die vor vielen Jahren diese Ausbildung abschlossen, als es noch keine grosse Anerkennung gab, gefragt, wieso sie dies tun und wofür.»
Welche Frage haben wir nicht gestellt und hätten dir stellen sollen?
Wo scheint die Sonne (lacht). Nein, ich finde, dass alle Fragen gestellt wurden, aber ein bisschen Humor ist doch immer sehr befruchtend, nicht wahr? (zwinkert).
Was du sonst noch sagen wolltest…
«Ich möchte an dieser stelle noch alle Menschen dazu aufrufen, diese Ausbildung zu absolvieren und das Kompetenzzentrum in Olten zu erleben und zu geniessen!»


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