Publikationsdatum: 10. März 2026
Wenn Erschöpfung zur Normalität wird
Immer mehr Dinge werden parallel zueinander erledigt, immer mehr Termine und immer weniger Pausen. Menschen, die diesem Dauerstress gerade so standhalten, befinden sich möglicherweise in einem Burn-on, der Vorstufe eines Burn-outs. Wie sich Burn-on von Burn-out unterscheidet, welche Warnsignale ernst genommen werden sollten und wie mit anhaltender Erschöpfung umgegangen werden kann.
Burn-On-Betroffene sollten sich Hilfe suchen, wenn die andauernde Erschöpfung trotz eigener Gegenmassnahmen nicht nachlässt.
Von Sonja Kupferschmid und Sophie Plüss
Lesedauer: ca. 5 Minuten
Unsere Gesellschaft ist extrem auf Leistung und Anerkennung getrimmt (Jetten, o. D.). Zusätzlich hat sich auch unser digitaler Lifestyle verändert: Die unausgesprochene Regel «always on» – also immer erreichbar und online zu sein – prägt unseren beruflichen und privaten Alltag zunehmend und erhöht den Druck auf die Arbeitnehmenden. Die ausgewerteten Daten einer Ausstellung des Stapferhaus Lenzburg verdeutlichen dieses Phänomen: Über 58% der Befragten gaben an, eine SMS von der/dem Vorgesetzten nicht unbeantwortet lassen zu können (Moser et al., 2013).
Ein Burn-on führt – im Gegensatz zu einem Burn-out – nicht zum kompletten Zusammenbruch. Das Burn-on ist ein noch junges Phänomen und die Erforschung erst in ihren Anfängen. In einem Interview mit dem deutschen Magazin «Human Resources Manager» definiert der Psychologe Timo Schiele Burn-on als eine «chronische Form der Erschöpfungsdepression» (Walther, 2022). Weiter betont er, dass Menschen, die an einem Burn-on leiden, ihren Job dennoch gerne machen. Bei einem Burn-out hingegen kommt es zur Ablehnung gegenüber dem Job. (Walther, 2022).
Der Psychologe Timo Schiele und der Psychiater Bert de Wildt haben im Jahr 2021 das Buch «Burn-on – Immer kurz vorm Burn-out» geschrieben. Bert te Wildt differenziert die Begriffe Burn-on und Burn-out in einem Interview mit «SRF Wissen»: Anders als bei einem Burn-out kommt es beim Burn-on nicht zu einem Zusammenbruch, sondern es zeichnet sich eine permanente Erschöpfung ab, welche jedoch gerade noch zu bewältigen ist. Bei Burn-on-Betroffenen zeigen sich diverse Symptome wie beispielsweise das bereits angesprochene «Always-on»-Phänomen, das Arbeiten im erschöpften Zustand führt zu noch mehr Erschöpfung, Schlafstörungen oder zum Verlust des Freudegefühls bei Dingen, die einmal Spass machten (SRF Wissen, 2022).
Schutz vor dem Ausbrennen
Der Psychiater Bert te Wildt betont, dass bewusste Pausen das Risiko eines Burn-ons reduzieren (SRF Wissen, 2022). Des Weiteren beugen eine gute Work-Life-Balance, optimiertes Stressmanagement, Entspannungstechniken und körperliche Bewegung einem Burn-on vor (Campana, 2024). Wer dennoch von einem Burn-on betroffen ist, sollte sich Hilfe suchen. Diese sollte spätestens dann beansprucht werden, wenn die andauernde Erschöpfung trotz eigener Gegenmassnahmen nicht nachlässt, oder sich sogar weiter verschärft (Witting, 2024). Unterstützung kann beispielsweise ein Coach bieten.
Blick in die Zukunft
Die digitale Welt wird durch den technologischen Fortschritt immer schneller. Daher ist es umso wichtiger, auf die Gesundheit am Arbeitsplatz zu achten. Neue, innovative Führungspraktiken und kluge Nutzung neuer Technologien können das Wohlbefinden am Arbeitsplatz fördern (Meister & Dael, 2024). In solchen Zeiten kann zudem Coaching eine wertvolle Unterstützung sein: Betroffene können ihre eigenen Stressmuster frühzeitig erkennen, mit Hilfe eines Coaches durchbrechen und Resilienz aufbauen. Besonders KMU profitieren von einer gesunden Unternehmenskultur und ausgeglichenen Mitarbeitenden. Ein Unternehmen, das auf das Wohl und die Resilienz der Mitarbeitenden achtet, investiert direkt in die eigene Konkurrenzfähigkeit: Steigende Motivation und Produktivität, starker Teamzusammenhalt und weniger Krankheitsausfälle sind nur vier Beispiele dafür (KOFA, 2025). Gleichzeitig kann Coaching von Führungskräften helfen, dass ein gesundes und nachhaltiges Arbeitsumfeld aufgebaut wird und so das Burn-on-Syndrom frühzeitig präventiv behandelt und abgewendet werden kann.
Eine wichtige Zukunftsfähigkeit ist zudem Resilienz. Eine Meta-Analyse von Good et al. (2025) teilt Resilienz in drei dynamische Bestandteile: Die Kapazität, die Umsetzung und die Demonstration. Die Kapazität beschreibt dabei die Ressourcen, die Umsetzung das Verhalten während der Bewältigung und die Demonstration schliesslich stellt die sichtbare Erholung dar. Selbstwirksamkeit und Optimismus sind gemäss dieser Studie besonders wirkungsvolle Ressourcen (Good et al., 2025). Resilienz wird als Schutzfaktor vor psychischen Erkrankungen gesehen und hilft, Erlebnisse zu bewältigen und das Risiko von Depressionen und Angstzuständen zu mindern (Mayo Clinic Staff, 2023).
Dieser Beitrag wurde in der November/Dezember 2025 Ausgabe des Magazins ERFOLG publiziert.
Quellenangaben:
Campana, S. (2024, 11. November). Burn On: Warnsignale erkennen und Dauerstress vorbeugen. kpt. https://www.kpt.ch/de/magazin/burn-on
Good, S. C., Fisher, D. M., Toich, M. J. & Schutt, E. M. (2025). A meta-analysis of resilience in the workplace. International Journal of Stress Management, 32(1), 1-30. https://www.doi.org/10.1037/str0000348
Jetten, J. (o. D.). Burn-on-Syndrom – immer kurz vor dem Zusammenbruch. Barmer. https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/psyche/psychische-erkrankungen/burn-on-1127152
KOFA Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (2025, 01. August). Resilienz am Arbeitsplatz: So stärken KMU ihre Mitarbeitenden. https://www.kofa.de/personalarbeit/personalfuehrung/gesundheitsmanagement/resilienz-am-arbeitsplatz-so-staerken-kmu-ihre-mitarbeitenden
Mayo Clinic Staff (2023, 03. Dezember). Resilience: Build skills to endure hardship. https://www.mayoclinic.org/tests-procedures/resilience-training/in-depth/resilience/art-20046311
Meister, A. & Dael, N. (2024, 27. Mai). 5 trends shaping the future of workplace health. IMD. https://www.imd.org/ibyimd/human-resources/5-trends-shaping-the-future-of-workplace-health/
Moser, H., Rummler, K. & Scheuble, W. (2013). Digitale Lebensstile. Deep Dive in das Thema «Always On». PH Zürich. https://phzhmmp.azureedge.net/pdfs/94d%5C94dede459b70488e952f61c1c1efe676.PDF?sv=2025-07-05&se=2025-10-01T17%3A37%3A37Z&sr=b&sp=r&rscd=inline%3B+filename%3DMoser-Rummler-Scheuble_Always-On.pdf&rsct=application%2Fpdf&sig=0aLoufrl8uzRMiUypwvrHIKdAnlEo%2FZQW7FZx9oB31s%3D
SRF Wissen (2022, 17. Mai). Burn On: Im Spagat zwischen Pflichtbewusstsein und Erschöpfung. https://www.srf.ch/wissen/mensch/die-vorstufe-des-burnouts-burn-on-im-spagat-zwischen-pflichtbewusstsein-und-erschoepfung
Trapp, E. (2024, 30. April). Psychologie: Burnout war gestern – warum heutzutage alle zum Burn-On neigen. wmn. https://www.wmn.de/mindfulness/psychologie/burn-on-burnout-unterschiede-z-q-id421059
Walther, P. (2022, 11. November). Burn-on: Wenn die Erschöpfung chronisch wird. Human Resources Manager. https://www.humanresourcesmanager.de/content/burn-on-wenn-die-erschoepfung-chronisch-wird
Witting, R (2024, 11. November). Burn On: Warnsignale erkennen und vorbeugen. https://www.raffaela-witting.ch/blog/burn-on
Sonja Kupferschmid
leitet als Co-Geschäftsführerin das Coachingzentrum in Olten. Die Arbeits- und Organisationspsychologin verbindet ihre Expertise in Produktentwicklung mit fundierter Coaching-Erfahrung und hat das Weiterbildungsportfolio des Coachingzentrums wesentlich mitgeprägt. Mit ihrer langjährigen Praxis hat sie sich als Spezialistin in den Bereichen Coaching, betriebliches Mentoring, Resilienztraining, Teamcoaching und Supervision etabliert.
Sophie Plüss
hat den Bachelorstudiengang Kommunikationswissenschaft & Medienforschung an der Universität Zürich erfolgreich abgeschlossen. Sie unterstützt das Coachingzentrum als Creative Assistant in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Produktentwicklung.



