Publikationsdatum: 18. März 2026
«Ich darf jeden Morgen entscheiden, ob ich den neuen Tag als guten Tag erleben möchte»
Wie viel Einfluss haben wir auf unser eigenes Erleben? Im Interview zum CAS Resilienztraining erläutert Resilienztrainerin Barbara Bertschi, wie mentale Stärke entsteht, wie Stressbewältigung lernbar ist und wie persönliche Entwicklung auch in herausfordernden Zeiten gelingt. Ein praxisnaher Einblick in modernes Resilienztraining.
Interview: Coachingzentrum
Lesedauer: ca. 5 Minuten
Barbara Bertschi
Barbara Bertschi hat am Coachingzentrum den Lehrgang CAS Resilienztraining abgeschlossen. Sie ist als Mandatsleiterin im Treuhandbereich sowie als Resilienztrainerin, Meditationslehrerin und Peer Person tätig. www.babekro.ch
Was hat dich ursprünglich dazu motiviert, das CAS Resilienztraining beim Coachingzentrum zu absolvieren?
BARBARA BERTSCHI: Ich wollte eine Ausbildung machen, die mit viel Praxiswissen gefüllt ist. Ich wollte bewusst nicht an die Uni und nur «Theorie» lernen. Dazu bietet das Coachingzentrum einfach geniale Lehrgänge, in denen auch mit Hochschulen zusammengearbeitet wird, so dass man ein CAS, DAS etc. machen kann. Das hat mich dazu bewogen, das Coachingzentrum zu wählen.
Inwiefern hat das CAS Resilienztraining dein Verständnis verändert oder erweitert?
Ich bin die Schöpferin meiner Welt. Ich darf jeden Morgen entscheiden, ob ich den neuen Tag als guten Tag erleben möchte oder nicht. Dieser Gedanke war ein Aha-Moment für mich – wie auch, dass die positive Psychologie mein Leben so viel zufriedener werden lässt. Im Sinn vom Wissen, dass meine Stärken, meine Werte, meine Motivation und auch das soziale Umfeld extrem wichtig sind. Über all dem steht aber die Achtsamkeit. Darum habe ich nach der Ausbildung zur Resilienztrainerin noch eine Ausbildung zur Meditationslehrerin gemacht. Das ergänzt das Resilienztraining sehr gut und kann in allen Bereichen der Resilienz eingesetzt werden. Wichtig erscheint mir zudem, dass ich alle Bereiche der Resilienz aktiv für mich selbst bearbeite und ausbaue, so dass ich für Krisen gewappnet bin. Das war ich ja dann auch, als ich die Diagnose Brustkrebs erhielt.
Welche Inhalte beziehungsweise Tools aus dem Lehrgang CAS Resilienztraining nutzt du am häufigsten in deiner täglichen Arbeit?
Ich bin ein grosser Fan des Zürcher Ressourcen Modells (Maya Storch), also Zielfindung mit Motto-Zielen. Im Alltag setze ich dies bei mir selbst ein, oder auch in Teams, wenn ein gemeinsames Zielverständnis und -erreichung wichtig sind. Daneben liebe ich ebenfalls «Reframing» und auch «Love it, change it or leave it». Sie zeigen auf, dass ein zuerst als Problem wahrgenommener Sachverhalt durch einen Blickwinkelwechsel zu etwas Angenehmem oder Gutem wechseln kann. Daneben wende ich auch einfach eine Atemübung oft an, um ins Hier und Jetzt zu kommen. Über allem aber steht, seine Stärken zu kennen und diese in der Arbeit auch einzusetzen. So dass Arbeit einen erfüllt und nicht erschöpft.
Wie hat das CAS Resilienztraining deine Zusammenarbeit mit Mitmenschen konkret verändert?
Ich habe viel mehr Verständnis für mein Gegenüber und weiss, dass wir alle in unserer eigenen Welt und Wahrnehmung leben. Hier hat mich das Wissen aus der positiven Psychologie fasziniert, ich habe dazu noch viele Bücher gekauft, aber noch nicht alle gelesen. Ich bin im Grundsatz auch viel neugieriger auf Menschen und ihre Geschichten geworden. Aus diesem Grund bin ich auch ehrenamtlich als Peer Person tätig.
Welche Rolle spielt die eigene Resilienz in deiner Funktion Leiterin Mandate? Welche Rolle spielt die eigene Resilienz bei deiner Selbstständigkeit?
Zurzeit bin ich als Mandatsleiterin im Treuhand tätig. Ich habe mein Pensum im angestammten Beruf reduziert, so dass ich mehr Zeit als Resilienztrainerin und Meditationslehrerin zur Verfügung habe. Als Mandatsleiterin kann ich mich besser abgrenzen und mich nicht nur als Arbeitskraft wahrnehmen, sondern einfach als Menschen. Ich habe durch das Resilienztraining gelernt, Ruhe und Erholung in meinen Alltag einzubauen und auch einfach mal nichts zu tun. In dieser Zeit schöpfe ich enorm viel Kraft und habe die besten Ideen. Für mich ist das Glas halbvoll, und ich habe gelernt, mich von den Wellen des Lebens tragen zu lassen und nicht dagegen anzukämpfen. Ich glaube, man könnte sagen, ich bin ruhiger und gelassener geworden.
Welche Erkenntnisse aus dem Resilienztraining erweisen sich in deinem (Arbeits-)Alltag als besonders hilfreich oder wirksam?
Ich würde sagen, Stressmanagement und eben auch wie schon erwähnt Zielfindung mit Motto-Zielen. Daneben klar die gewaltfreie Kommunikation (Rosenberg).
Gab es im Lehrgang einen Aha-Moment oder ein Tool, das deine Arbeit nachhaltig beeinflusst hat?
Das Soziogramm und die Besprechung dieses Soziogramms mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Es hat mir aufgezeigt, wie wichtig ein aktives und physisch gelebtes soziales Umfeld ist. Auch in der Hinsicht, sich von Kontakten zu trennen, wenn einem diese nur noch Kraft rauben.
Würdest du das Resilienztraining weiterempfehlen und welchen Rat würdest du jemandem geben, der sich für eine solche Ausbildung interessiert?
Unbedingt! Ich finde, dies ist so eine wichtige Ausbildung für einen selbst, auch um in der heutigen Welt mit Mitmenschen und all den Stressoren besser klar zu kommen. Uns stehen heute beruflich wie auch privat alle erdenklichen Möglichkeiten offen – so sollten wir doch den Weg wählen, der uns erfüllt. Mein Rat für die Ausbildung ist, sich wirklich Zeit zu nehmen, all die Tools und Methoden, die gelehrt werden, an sich selbst und an Mitmenschen anzuwenden. Nicht nur die Theorie lesen, sondern am eigenen Körper erfahren, was es mit einem macht.



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