Publikationsdatum: 28. Juli 2025
Fünf Generationen, ein Ziel: Wie Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelingt
Der demografische Wandel verändert die Arbeitswelt spürbar. Bis zu fünf Generationen arbeiten heute gleichzeitig in einem Unternehmen eng zusammen. Diese Altersdiversität eröffnet neue Chancen für Innovationen und Zusammenarbeit. Gleichzeitig erfordert sie auch ein Umdenken in Führung und Kommunikation. Mehrere Generationen im selben Team lassen kreative Lösungen, neue Perspektiven und resilientere Strukturen entstehen. Gezielt genutzte Vielfalt wird somit zum Erfolgsfaktor von Unternehmen.
Bis zu fünf Generationen arbeiten heute gleichzeitig in einem Unternehmen eng zusammen.
Von Sonja Kupferschmid und Sophie Plüss
Lesedauer: ca. 6 Minuten
Das Thema Altersdiversität wird für Unternehmen immer existenzieller. Im Jahr 2024 waren fast 5 Millionen Personen in der Schweiz erwerbstätig. Rund 10 Prozent davon waren zwischen 15 und 24 Jahre alt. Zugleich ist für viele ältere Mitarbeitende die Rente keine Option: Innerhalb der Altersklasse der über 65-Jährigen sind von Jahr zu Jahr mehr Personen weiterhin erwerbstätig. Im Jahr 2022 waren 175’000 Personen im Rentenalter erwerbstätig, während es im Jahr 2024 bereits 207’000 Personen waren. Die Daten des Bundesamts für Statistik (2024) zu den Erwerbstätigkeiten der verschiedenen Altersklassen zeigen ausserdem, dass in Zukunft bis zu fünf Generationen gleichzeitig erwerbstätig sein werden. Eine immer älterwerdende Bevölkerung führt dazu, dass die Altersdiversität innerhalb von Unternehmen zunimmt (OECD, 2020). Demografische Veränderungen, Digitalisierung und unterschiedliche Kommunikationsstile von Generationen stellen die heutigen Herausforderungen für Unternehmen dar. In einem altersdiversen Team treffen neue Ideen und bereits etabliertes Fachwissen aufeinander. Unternehmen sollten daher ein Umfeld schaffen, in dem die Mitarbeitenden von den jeweils anderen Generationen profitieren können. Die Altersdiversität in Unternehmen fördert nicht nur die Teamdynamik, sondern wirkt sich auch positiv auf das Ansehen des Unternehmens aus, da es ein Zeichen für eine offene und inklusive Unternehmenskultur ist.
Zusammenarbeit mit Respekt: Generationen verbinden
Während die jüngeren Generationen wie Generation Z (Geburtenjahrgänge 1997 bis ca. 2012) und bald Gen Alpha (ca. 2012 bis heute) in die Arbeitswelt einsteigen, bleiben die älteren Generationen wie die Generation Babyboomer (1946 bis 1964), Gen X (1965 bis 1980) und Gen Y (1981 bis 1996) weiterhin in der Arbeitswelt aktiv. Zusätzlich führen Faktoren wie beispielsweise die Globalisierung und technische Neuerungen zu Veränderungen in der Arbeitswelt (joineer, o. D.). Damit sich die Mitarbeitenden jeweils auf Perspektiven und Ideen anderer als ihrer eigenen Generation einlassen, braucht es Vertrauen und Loyalität zueinander. Auch der Faktor der Generationengerechtigkeit spielt eine wichtige Rolle: Jede Generation soll sich ernstgenommen fühlen, da dies sonst zu Unmut innerhalb des Teams führen kann. Werden die Meinungen und Ideen aller Generationen ernstgenommen, wird ein positives Miteinander gefördert und unterstützt (Schweer et al., 2015).
Herausforderungen und deren Bewältigung von generationenübergreifenden Teams
Altersdiversität in Unternehmen und generationenübergreifende Zusammenarbeit birgt jedoch auch Potenzial für Konflikte: Zum Beispiel führen unterschiedliche Kommunikationsangewohnheiten und -präferenzen der verschiedenen Generationen zu Missverständnissen und somit zu möglichen Spannungen. Um diese Herausforderungen zu meistern, sollten die unterschiedlichen Kommunikationsgewohnheiten der Mitarbeitenden – wie Kommunikation per E-Mail oder per Telefon – verstanden und berücksichtigt werden. So können Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb des Teams gestärkt und gefördert werden (matsh, 2024). Die unterschiedlichen Generationen (Babyboomer, Generation X, Y und Z) haben zudem unterschiedliche Arbeitsvorstellungen: Während die Babyboomer tendenziell klare Strukturen, Hierarchien und persönliche Kommunikation präferieren, bevorzugt beispielsweise die Generation Y Flexibilität, Selbstbestimmung und eine weniger stark ausgeprägte Hierarchie innerhalb des Unternehmens. Wer zur Generation Z gehört, favorisiert wiederum schnelle Kommunikation, jedoch nicht via E-Mail, sondern über Messengerdienste oder mit Sprachmemos und möchte Beruf und Privatleben klar voneinander getrennt halten. Die Herausforderung für die Unternehmen ist nun, die unterschiedlichen Vorstellungen und Kommunikationsstile der Generationen miteinander zu verbinden, damit die Fähigkeiten jeder Person gefördert und optimal eingesetzt werden (Tran, 2025).
Auch bezüglich der Nutzung neuster Technologien öffnet sich ein Spannungsfeld zwischen den Generationen: Da nicht alle Arbeitnehmenden in gleichem Ausmass bereit sind, neue Technologien wie digitale Tools kennenzulernen und zu nutzen, kann dies zu einer Kluft zwischen den Generationen führen. Unternehmen können in diesem Zusammenhang Konflikten und Spannungen vorbeugen, indem sie sich genau überlegen und begründen, wann und weshalb ein neues digitales Tool eingeführt wird. Zusätzlich sollten die Meinungen der Arbeitnehmenden abgefragt und berücksichtigt werden. So können die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeitenden optimal beachtet werden (Mousse, 2024). Nathalie Hauenstein, Mitinhaberin, Verwaltungsrätin und Geschäftsleitungsmitglied eines Familienunternehmens in dritter Generation setzt sich für eine moderne Geschäftsführung und den Austausch zwischen den unterschiedlichen Generationen ein. Sie betont: «Zukunft braucht Herkunft.»
Chancen generationenübergreifender Teams
Wenn verschiedene Altersklassen gemeinsam in einem Team arbeiten, können unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen untereinander ausgetauscht werden. Ältere Mitarbeitende profitieren von den neuen und innovativen Ideen der jüngeren Mitarbeitenden, während diese umgekehrt von den langjährigen Erfahrungen und dem erprobten Fachwissen der älteren Mitarbeitenden lernen können. Die generationenübergreifende Zusammenarbeit kann so die Teamdynamik und ‑zusammenarbeit. Doch nicht nur die Mitarbeitenden haben Vorteile voneinander: Das Unternehmen kann durch ein inklusives und altersdiverses Team an Reputation gewinnen. Auch wirkt sich die Altersdiversität positiv auf die Anpassungsfähigkeit und Resilienz des Teams aus (seniors at work, o. D.), da schneller und innovativer auf Ungleichgewichte reagiert werden kann. Zusätzlich zahlt sich Altersdiversität für ein Unternehmen aus, weil sie das Risiko zeitgleicher Ausfälle von Mitarbeitenden zum Beispiel durch Pensionierung oder Elternzeit mindert (OECD, 2020).
Praxistipps für generationenübergreifende Zusammenarbeit
- Unterschiedliche Schulungen – mehrstufiges System
Bieten Sie als Unternehmen unterschiedliche Stufen und Schwierigkeitsgrade unternehmensinterner Schulungen an. Gerade im Hinblick auf womöglich unterschiedliche technologische Vorkenntnisse der Mitarbeitenden kann es hilfreich sein, Schulungen und Tutorials für Einsteiger:innen und für Fortgeschrittene getrennt anzubieten (vgl. Mousse, 2024). - Austausch auf Augenhöhe
Um die Chancen und Vorteile eines generationenübergreifenden Teams optimal und nachhaltig zu nutzen, sollte der Austausch zwischen den Generationen gefördert werden. Generationen-Duos, also eine Zweiergruppe mit Personen aus unterschiedlichen Generationen sind ein Beispiel, wie der aktive Austausch zwischen Generationen gefördert werden kann. So können jüngere Mitarbeitende nicht nur von den älteren, erfahreneren Mitarbeitenden profitieren, sondern auch umgekehrt die älteren von den jüngeren etwa durch digitale Skills und unkonventionelle Herangehensweisen. Diese Strategie wird auch «Reverse Mentoring» genannt (seniors at work, o. D.). - Generationengerechte Kommunikation
Die unterschiedlichen Kommunikationsstile der Generationen, wie die Kommunikation per E-Mail oder Sprachmemos, sollten beachtet und eine gemeinsame Basis für funktionierende Kommunikation geschaffen werden. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, dass sich die Mitarbeitenden über ihre Bedürfnisse austauschen. Kommuniziert das Team hauptsächlich online miteinander, so sollten Grundregeln aufgestellt werden, zum Beispiel bezüglich des Tons, damit Missverständnisse und Fehldeutungen minimiert werden können (it-daily, 2024).
Altersdiversität als Erfolgsfaktor
Die Arbeitswelt wird in Zukunft weiterhin vom demografischen Wandel und der Altersvielfalt in Unternehmen geprägt. Die nächste Generation, Generation Alpha, steht bereits in den Startlöchern. Unternehmen, die die heutige Altersdiversität als Stärke erkennen, schaffen das Grundgerüst für Innovationen und Resilienz. Altersdiversität benötigt nicht bloss Toleranz, sondern eine aktive Gestaltung. Wer generationenübergreifende Zusammenarbeit fördert, investiert nachhaltig in die Zukunft.
Quellenangaben:
Bundesamt für Statistik (2024). Erwerbstätige nach Geschlecht, Nationalität, Altersgruppen (Exeltabelle). https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erwerbslosigkeit-unterbeschaeftigung/registrierte-arbeitslose-seco.assetdetail.35367285.html
it-daily (2024, 17. Juli). Generationenvielfalt: Tech-Herausforderungen am Arbeitsplatz. https://www.it-daily.net/it-management/projekt-personal/generationenvielfalt-tech-herausforderungen-am-arbeitsplatz
Joineer (o. D.). Generationenübergreifende Zusammenarbeit: Ein Wegweiser für Unternehmen. https://joineer.com/generationenuebergreifende-zusammenarbeit-ein-wegweiser-fuer-unternehmen/
Matsh (2024, 30. Dezember). Intergenerational Communication Challenges: Statistics on Conflicts Across Generations in the Workplace. https://www.matsh.co/en/statistics-on-intergenerational-communication-workplace/
Mousse, R. (2024, 18. Januar). Generation Digital Natives und ihre Erwartungen an den digitalen Arbeitsplatz. Software Advice Blogs. https://www.softwareadvice.de/blog/4419/digital-natives-erwartungen-an-digitalen-arbeitsplatz
OECD (2020). Promoting an Age-Inclusive Workforce: Living, Learning and Earning Longer. OECD Publishing. https://doi.org/10.1787/59752153-en
Schweer, M. K. W., Becke, G. & Wohlfahrt, L. (2015). Generationenübergreifende Zusammenarbeit als Basis innovativen unternehmerischen Handelns. In S. Jeschke, A. Richter, F. Hees & C. Jooss (Hrsg.), Exploring Demographics (S. 165-174). https://doi.org/10.1007/978-3-658-08791-3_19
seniors at work (o. D.). Altersdiversität in Unternehmen: Vorteile und Chancen. https://www.seniorsatwork.ch/blog/altersdiversitaet-in-unternehmen-vorteile-und-chancen/
Tran, D. (2025, 04. Juni). Generationen am Arbeitsplatz: Wie du den Generationenmix erfolgreich managst. Shiftbase. https://www.shiftbase.com/de/blog/generationen-am-arbeitsplatz
Sonja Kupferschmid
leitet als Co-Geschäftsführerin das Coachingzentrum in Olten. Die Arbeits- und Organisationspsychologin verbindet ihre Expertise in Produktentwicklung mit fundierter Coaching-Erfahrung und hat das Weiterbildungsportfolio des Coachingzentrums wesentlich mitgeprägt. Mit ihrer langjährigen Praxis hat sie sich als Spezialistin in den Bereichen Coaching, betriebliches Mentoring, Resilienztraining, Teamcoaching und Supervision etabliert.
Sophie Plüss
hat den Bachelorstudiengang Kommunikationswissenschaft & Medienforschung an der Universität Zürich erfolgreich abgeschlossen. Sie unterstützt das Coachingzentrum als Creative Assistant in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Produktentwicklung.


