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Publikationsdatum: 25. Juli 2025

Know-how & Do-how für Coaches

Prosilienz ist mehr als Widerstandskraft: Resilienz neu gedacht

In einer Welt, in der Wandel die Konstante ist, stellt sich eine zentrale Frage: Wie gelingt es Menschen, psychisch stabil zu bleiben – und darüber hinaus an Krisen zu wachsen? Drei sich ergänzende Konzepte geben darauf Antwort: Resilienz, Antifragilität und Prosilienz. Wie Coaches eine Kombination dieser Konzepte nutzen können, um Klientinnen und Klienten nicht nur durch Krisen zu begleiten, sondern nachhaltig zu stärken.

In einer Welt, in der Wandel die Konstante ist, stellt sich eine zentrale Frage: Wie gelingt es Menschen, psychisch stabil zu bleiben.

Prosilienz wappnet für kommende Herausforderungen

Coaching Führung Resilienz Teamcoaching

Von Daniela Alagna und Sophie Plüss

Lesedauer: ca. 6 Minuten

Die Fähigkeit, trotz Störungen und Belastungen psychisch stabil zu bleiben oder nach Belastungen wieder ins Gleichgewicht zu finden, wird im Begriff Resilienz zusammengefasst. Resilienz beschreibt also die Bewältigung einer Krisensituation (Steiner, 2024). Resilienz ist ein dynamischer Anpassungsprozess, welcher von Faktoren wie beispielsweise Lösungsorientierung, Selbstwirksamkeit und Selbstreflexion beeinflusst wird. Resilienzförderung zielt darauf ab, die individuellen bereits vorhandenen Ressourcen zu aktivieren und für die Person passende Bewältigungsstrategin zu stärken (Mauritz, 2024; Sisto et al., 2019).

Antifragilität: Wachstum aus Störungen
Das Konzept der Antifragilität beschreibt, wie Störungen innerhalb eines Systems dazu führen, dass es verbessert, also stabiler und robuster, wird. Der Begriff setzt sich aus den Wortteilen «anti» und «Fragilität» zusammen, was so viel bedeutet wie «nicht zerbrechlich». Das psychische System kann von den Störungen lernen, sich weiterentwickeln und so widerstandsfähiger werden (Steiner, 2024). Antifragilität beschreibt somit nicht nur die Widerstandsfähigkeit in krisenbehafteten Situationen, sondern auch die Fähigkeit, aus solchen Krisen heraus zu wachsen. Herausforderungen werden von antifragilen Personen als Lern- und Entwicklungsmöglichkeit verstanden und genutzt (Burk, 2018).

Prosilienz: präventiver Blick in die Zukunft
Prosilienz wiederum ist ein noch junges Konzept. Es verbindet die gewonnene Stabilität durch Resilienz mit der Wachstumsdynamik der Antifragilität, und genau deshalb ist es spannend: Im Gegensatz zur Resilienz beschreibt die Prosilienz nicht nur die Rückkehr in den ursprünglichen Zustand nach einer Krise, sondern die Stärkung der Resilienz, bevor die Krisensituation eintritt (Thagard, 2013). Prosilienz ist somit klar zukunftsorientiert und agiert präventiv. Die Förderung gezielter Schutz- und Entwicklungsfaktoren hilft dabei, Prosilienz zu stärken. Dies geschieht beispielsweise mittels Szenarienarbeit und dem Aufbau psychologischer Sicherheit (vgl. Huber, 2023; Mauritz, 2022).

Ein Praxisbeispiel im Coaching
Stellen Sie sich die folgende Situation vor: Eine Bereichsleiterin, nennen wir sie Fiona, eines mittelgrossen Unternehmens ist mit einem umfassenden Umstrukturierungsprozess konfrontiert. Dieser beinhaltet die Neuaufstellung von Teams, Prozessanpassungen und die Neudefinition interner Rollen. Durch diese Umstrukturierung steigen Unruhe sowie Unsicherheit im Unternehmen, und der Druck auf die Bereichsleiterin wird immer grösser.

Phase 1: Resilienz
Fiona ist zunächst mit der Situation und mit dem steigenden Druck überfordert. Dies äussert sich durch Schlafmangel, Entscheidungsdruck und Ängste. Im Coaching wird in dieser ersten Phase der Fokus auf Reflexion der Belastung und der emotionalen Reaktionen darauf sowie auf die Ressourcenaktivierung gelegt. Zusätzlich wird die Selbstwirksamkeit gestärkt. Fiona kann so Routinen in ihren Alltag einbauen, welche ihr helfen, zu regenerieren, und sie lernt, wie sie der verunsichernden Situation standhält.

Phase 2: Antifragilität
Einige Wochen später merkt Fiona, dass die vorangegangene Krise auch positive Aspekte mit sich bringt: Alte Muster und Hierarchien beginnen sich zu lösen, und sie kann mit der Situation im Unternehmen besser umgehen. Im Coaching reflektiert sie die Herausforderungen und wie sie aus bisherigen Fehlern lernen kann. Daraus entwickelt sie Stärken, die sie künftig nutzen kann.

Phase 3: Prosilienz
In der dritten Phase – der Phase der Prosilienz – entwickelt Fiona ein neues Ziel. In ihrer Aufgabe als Bereichsleiterin möchte und sollte sie das Team nicht nur durch die aktuelle krisengeprägte Situation führen und begleiten, sondern sie möchte ihr Team auch auf die Zukunft vorbereiten. Im Coaching wurden ihr unterschiedliche Tools, beispielswiese der Zukunfts-Kompass, mitgegeben, die sie unterstützen, ihr Ziel zu erreichen. In der Phase der Prosilienz wappnet sich Fiona für kommende Herausforderungen, und fokussiert sich weniger auf die aktuelle Krise.

Drei Wege zur psychischen Stärke
Die Konzepte Resilienz, Antifragilität und Prosilienz beschreiben unterschiedliche, sich ergänzende Zugänge, wie mit belastenden und krisenbehafteten Situationen umgangen werden kann. Im Coaching sollte also nicht nur das Konzept der Resilienz berücksichtigt werden, sondern der Blick sollte gezielt auch auf die Konzepte Antifragilität und Prosilienz gerichtet werden. Werden alle drei Konzepte miteinander vereint, so entstehen nachhaltige Wege der Selbstführung.

Quellenangaben:

Burk, W. (2018, 25. August). Antifragilität – wachsen an Unordnung und Widerstand. https://sensevision.ch/2018/08/25/antifragilitaet-wachsen-an-unordnung-und-widerstand/
Huber, M. (2023, +4. Dezember). Psychologische Sicherheit stärkt die Resilienz im Team. nextU. https://next-u.de/2023/12/14/resilienz_psychologische_sicherheit/
Mauritz, S. (2022, 30. Oktober). Psychologische Sicherheit. Resilienz Akademie. https://www.resilienz-akademie.com/abc-der-resilienz/psychologische-sicherheit/ 
Mauritz, S. (2024, 14. November). Resilienzmodelle im Vergleich. https://www.resilienz-akademie.com/resilienz-allgemein/resilienzmodelle-im-vergleich/ 
Sisto, A., Vicinanza, F., Campanozzi, L. L., Ricci, G., Tartaglini, D. & Tambone, V. (2019). Towards a Transversal Definition of Psychological Resilience: A Literature Review. medicina, 55(11), 1-22. https://doi.org/10.3390/medicina55110745
Steiner, S. (2024, 29. Januar). Resilienz und Antifragilität: Unterschiede, Beispiele und Anwendungen in Unternehmen. Tools For Tomorrow. https://www.tomorrow.tools/post/resilienz-und-antifragilit%C3%A4t-unterschiede-beispiele-und-anwendungen-im-unternehmen
Thagard, P. (2013, 05. August). Better Than Resilient – Prosilient. Psychology Today. https://www.psychologytoday.com/us/blog/hot-thought/201308/better-resilient-prosilient 

Die Autorenschaft

Daniela Alagna

verfügt über ein breites berufliches Fundament, das auf einer kaufmännischen Ausbildung und langjähriger, vielseitiger Praxiserfahrung basiert. Als betriebliche Mentorin, Dipl. Coach SCA und Supervisorin begleitet sie Menschen wirkungsvoll in persönlichen und beruflichen Entwicklungsschritten.

Sophie Plüss

hat den Bachelorstudiengang Kommunikationswissenschaft & Medienforschung an der Universität Zürich erfolgreich abgeschlossen. Sie unterstützt das Coachingzentrum als Creative Assistant in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Produktentwicklung.

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