Publikationsdatum: 15. Januar 2025
Der Einfluss von Purpose auf Motivation und Erfolg
In einer Geschäftswelt, die von endlosem Wettbewerb geprägt ist, ist es entscheidend, sich zu fragen: Warum tun wir, was wir tun? Diese Frage bildet den Kern der Unternehmensidentität und ist der Schlüssel zur Transformation. Ein klar definierter Purpose fungiert als Leitfaden, der in einer sich ständig verändernden Arbeitsumgebung Orientierung bietet.
Ein Unternehmen mit einem starken Purpose hat eine starke Bindungskraft für Mitarbeitende, Kunden und Stakeholder.
Von Sonja Kupferschmid und Pascal von Känel
Lesedauer: ca. 7 Minuten
Die Konkurrenz überholen, Die Organisation an die Weltspitze bringen, einen Gewinn erzielen – das sind typische Ziele von Unternehmen. Führungskräfte streben danach, ihre Unternehmen zum Erfolg zu führen. Doch im Gegensatz zu einem Spiel mit einem klaren Ende, befinden sich Unternehmen heute in einem kontinuierlichen Wettbewerb ohne feste Spielregeln. Die Herausforderung liegt nicht im kurzfristigen Gewinnen, sondern im langfristigen, strategischen Mitspielen. Dabei soll ihnen und den Mitarbeitenden nicht die Puste ausgehen. Dies erfordert eine klare Antwort auf das Warum hinter dem Handeln, «Wieso machen wir das überhaupt?» Das Unternehmen braucht einen Sinn oder auf Neudeutsch: einen Purpose, für den es Wert ist, langfristig Zeit und Energie reinzustecken (Sinek, 2020).
Aus Konkurrenten werden Helfende
Ein Beispielunternehmen, welches den Purpose lebt, ist Buurtzorg. Ein Unternehmen in den Niederlanden, das häusliche Krankenpflege anbietet. Dieses Unternehmen hat sich auf die Fahne geschrieben, dass Patienten ein erfülltes und unabhängiges Leben führen können. Dieser Purpose steht bei ihnen vor dem Profit. Das Unternehmen ist erfolgreich durch seine organisationsbezogenen Praktiken und der Managementphilosophie. Statt diese geheim zu halten, um einen Vorsprung vor der Konkurrenz zu haben, teilt sie diese aktiv mit Mitbewerbern. Diese können laut Burtzoorg helfen, den Purpose zum Ausdruck zu bringen oder in einem grösseren oder schnelleren Umfang umzusetzen.
Die Mitbewerbenden werden durch den gelebten Purpose also nicht als Konkurrenz, sondern als Helfende angesehen (Laloux, 2017). Doch was ist jetzt genau dieser Purpose? Es bedeutet, ein Ziel zu haben, das viel mehr ist als nur Gewinnorientierung oder irgendwelche Kennzahlen. Das Ziel soll motivierend für die Mitarbeitenden sein, da es einen Beitrag für die Gesellschaft leisten kann. Die Reaktion auf dieses Ziel, diesen Purpose, sollte folgendermassen aussehen: «Das macht Sinn und es fühlt sich gut und richtig an!» Der Purpose ist die Antriebskraft einer Organisation, er motiviert Mitarbeitende, ist attraktiv für Bewerbende, unterstützt agiles Arbeiten und gibt einen Handlungsrahmen vor, ohne jedoch in Stein gemeisselte Ziele zu definieren (Illner, 2021)
Wie Sensegiving und -making die Unternehmenskultur prägen
Sensegiving und Sensemaking sind zwei zentrale Konzepte im Bereich der Organisationsentwicklung, die den Prozess der Sinnstiftung innerhalb von Unternehmen beschreiben:
Sensegiving bezieht sich auf die Bemühungen von Führungskräften und dem Management, einen klaren und überzeugenden Unternehmenszweck oder eben Purpose zu kommunizieren. Ziel ist es, den Mitarbeitenden ein gemeinsames Verständnis der Unternehmensziele und -werte zu vermitteln, um so ihre Motivation und ihr Engagement zu fördern. Dies geschieht oft durch narrative Techniken, symbolische Handlungen und die Schaffung von Kontexten, in denen der Purpose des Unternehmens erlebbar wird.
Sensemaking hingegen ist der Prozess, durch den Mitarbeitende die Informationen und Erfahrungen, die ihnen im Arbeitsalltag begegnen, interpretieren und in einen sinnvollen Kontext setzen. Es geht darum, wie Individuen den Unternehmenszweck verstehen, internalisieren und in ihrem täglichen Handeln umsetzen. Sensemaking ist ein kontinuierlicher Prozess, der durch Dialog, Reflexion und die Interaktion mit der Unternehmenskultur geprägt ist.
Beide Prozesse ergänzen sich gegenseitig und sind entscheidend für die Entwicklung einer starken, sinnstiftenden Unternehmenskultur. Während Sensegiving die Richtung vorgibt, ermöglicht Sensemaking den Mitarbeitenden, diese Richtung in ihren eigenen Worten zu interpretieren und zu verinnerlichen. Zusammen fördern sie ein tiefes Verständnis und eine starke Identifikation mit dem Unternehmenszweck, was letztlich zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit, Engagement und Unternehmenserfolg führt. (Hoppmann et al., 2023)
Warum ist Purpose wichtig?
Ein Unternehmen mit einem starken Purpose hat nicht nur eine klare Identität, sondern auch eine starke Bindungskraft für Mitarbeitende, Kunden und Stakeholder. Mitarbeitende, die sich mit dem Purpose identifizieren können, sind motivierter und engagierter und dem Unternehmen gegenüber loyaler. Ein Unternehmen mit Purpose ist attraktiver für potenzielle neue Mitarbeitende und diese bleiben auch länger im Unternehmen, wenn sie sich mit dessen Werten und Zielen identifizieren können. Auch Kunden, die den Purpose eines Unternehmens teilen, fühlen sich stärker mit der Marke verbunden und sind bereit, langfristige Beziehungen aufzubauen.
Darüber hinaus hat der Purpose auch einen direkten Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Purpose-getriebene Unternehmen sind nachweislich erfolgreicher als ihre Mitbewerbenden. Sie wachsen schneller, erzielen höhere Gewinne und sind widerstandsfähiger gegenüber Marktveränderungen. Ein Unternehmen ohne Purpose ist wie ein Schiff ohne Kompass – es treibt ziellos umher und ist den Launen des Schicksals ausgeliefert. Gerade in turbulenten Zeiten des Wandels und der Unsicherheit, kann ein Purpose Stabilität und Orientierung geben. Daher ist es entscheidend, dass Unternehmen ihren Purpose klar definieren und aktiv leben. Nur so können sie langfristig erfolgreich sein und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten (Esch, 2020).
Auch für Veränderungsprozesse ist ein Purpose ausschlaggebend, ganz nach dem Modell der logischen Ebenen. In der untersten Ebene liegt die Umwelt, also der Kontext, gefolgt von dem Verhalten, den Fähigkeiten, den Werten, der Rolle und an der Spitze, der Purpose. Wenn nun Veränderungen in unteren Ebenen erreicht werden wollen, müssen Interventionen mindestens auf der gleichen, aber besser noch auf der darüber liegenden Ebene stattfinden, denn die oberen Ebenen der Pyramide beeinflussen massgebend die unteren. Durch einen klaren Purpose sind die Mitarbeitenden motiviert, sich daran zu beteiligen, und Veränderungen im Unternehmen können nachhaltig erreicht werden. Der Purpose fungiert hier als Leuchtturm, der die Richtung für erfolgreiche Veränderungen weist (Diehl, 2019).
Dieser Beitrag wurde in der Ausgabe Oktober 2024 von personalSCHWEIZ publiziert.
Quellenangaben:
Diehl, A. (2019, 28. Oktober). Dilts Pyramide – Das Modell der logischen Ebenen als Werkzeug für deine digitale Transformation. Digitale Neuordnung DNO. https://digitaleneuordnung.de/blog/dilts-pyramide/
Esch, F.-R. (2020, 10. Juli). PURPOSE: Warum Sinnstiftung für Unternehmen wichtig ist. Esch-brand. https://www.esch-brand.com/purpose-warum-sinnstiftung-fuer-unternehmen-wichtig-ist-teil-12/
Hoppmann, J., Richert, M. & Busch, T. (2023). Not My Business: How Individuals’ Rôle Identities Shape Sensegiving During Corporate Sustainability Initiatives. Organization & Environment 36(4), 529-558. https://doi.org/10.1177/10860266231183955
Illner, K. (2021). Purpose, Sinn und Werte – Das «Warum?» als Leuchtturm in der digitalen Transformation (1. Aufl.). Haufe.
Laloux, F. (2017). Reinventing Organizations – Ein illustrierter Leitfaden sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Vahlen.
Sinek, S. (2020). Sinnorientierte Unternehmensführung – Strategien für die Ewigkeit. managerSeminare, 265, April 2020. 40-48.
Sonja Kupferschmid
leitet als Co-Geschäftsführerin das Coachingzentrum in Olten. Die Arbeits- und Organisationspsychologin verbindet ihre Expertise in Produktentwicklung mit fundierter Coaching-Erfahrung und hat das Weiterbildungsportfolio des Coachingzentrums wesentlich mitgeprägt. Mit ihrer langjährigen Praxis hat sie sich als Spezialistin in den Bereichen Coaching, betriebliches Mentoring, Resilienztraining, Teamcoaching und Supervision etabliert.
Pascal von Känel
hat das Masterstudium für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie & Verhaltensmedizin an der Universität Bern erfolgreich abgeschlossen und ist nun als Assistenzpsychologe I im Kinder- und Jugendbereich tätig. Er unterstützte das Coachingzentrum in der Produktentwicklung.



