Publikationsdatum: 21. April 2026
Wie es gelingt, Ziele zu erreichen
Sie wissen, was Sie wollen – aber irgendwie passiert es trotzdem nicht. Der Grund dafür ist kein Charakterfehler, sondern ein Mechanismus. Und man kann lernen, diesen zu verstehen und verändern.
Motivation setzt den Impuls – Volition bringt uns ins Ziel.
Von Sonja Kupferschmid und Sophie Plüss
Lesedauer: ca. 6 Minuten
Kennen Sie dieses Gefühl? Sie nehmen sich fest vor, morgens früh Sport zu treiben oder endlich ein Projekt anzugehen, welches schon lange ansteht. Die Motivation ist am Abend zuvor da, doch am nächsten Tag passiert trotzdem nichts und alles bleibt beim Alten. Dies sollte jedoch nicht als Zeichen von Schwäche angesehen werden, sondern als ein Zeichen, dass Motivation bei der Zielumsetzung allein nicht ausreichend ist. Was es zusätzlich braucht, ist die Volition.
Motivation und Volition
Die beiden Begriffe Motivation und Volition tauchen insbesondere im Kontext der Persönlichkeitsentwicklung und bei der Erklärung menschlichen Handelns auf. Motivation beschreibt Prozesse, «die das Setzen und Bewerten von Zielen betreffen». Es geht dabei darum, was die Person will und ihr Handeln, um das angestrebte Ziel zu erreichen. In der prädezisionalen (Abwägungsphase) und in postaktionalen Handlungsphasen (Bewertungsphase) dominiert die Motivation (Achtziger et al., 2022; studyflix, o. D.).
Volition beschreibt hingegen die Willenskraft eines Menschen, ein Ziel zu erreichen. Dabei geht es um die Umsetzung der Motivation in konkrete Handlungen und Taten (studyflix, o. D.). Der deutsche Managementforscher und Hochschuldozent Waldemar Pelz definiert Volition wie folgt: «Volition ist die Fähigkeit, Wunschvorstellungen (Absichten, Motive oder Ziele) in gezielte Handlungen umzusetzen, die zu Resultaten (Erfolgen) führen.» Eine hohe Motivation allein sei also keine Garantie für die Zielerreichung – dazu benötige man Volition, also Willenskraft (Pelz, 2021).
Das Rubikon-Modell
Mit den beiden Begriffen Motivation und Volition wird oft das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1987) in Verbindung gebracht, denn es stellt dafür das wesentliche Konzept dar. In diesem Modell werden Motivation und Volition in die Erklärung menschlichen Handelns miteinbezogen. Das Rubikon-Modell unterteilt eine Handlung weiter in vier Phasen: die Abwägungsphase, die Planungsphase, die Handlungsphase und die Bewertungsphase. In der Abwägungsphase werden Ziele definiert und entschieden, welches Ziel umgesetzt wird. Ein solches Ziel kann beispielsweise lauten: «Ich möchte häufiger kochen.» Danach folgt die Planungsphase, in der ermittelt wird, wie das Ziel bestmöglich erreicht werden kann und wie die Motivation dabei aufrecht erhalten bleibt. In der dritten Phase, der Handlungsphase, werden die Vorsätze der ersten zwei Phasen umgesetzt. In der Bewertungsphase wird beurteilt, ob die erwünschten Ergebnisse erreicht wurden (Storch, 2009; Storch & Krause, 2002; studyflix, o. D.).
Wer willst du werden?
Damit man seine Träume, Ziele und Wünsche erreicht, spielen nicht nur Motivation und Volition eine Rolle, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung. Diese baut auf drei Säulen auf: Selbsterkenntnis, Selbstakzeptanz und Selbstveränderung. Persönlichkeitsentwicklung ist jedoch nicht als ein Prozess zu verstehen, der irgendwann abgeschlossen ist, sondern als eine dynamische, bewusste und kontinuierliche Aktivität.
Doch wie kann die Persönlichkeit weiterentwickelt werden? Dies kann durch klare Veränderungen wie zum Beispiel einen Auslandsaufenthalt oder eine Weiterbildung geschehen. Doch auch auf den ersten Blick eher unscheinbare Handlungen wie zum Beispiel das Führen eines Tagebuchs, Meditation oder mehr Bewegung kann bei der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen (Rilke, 2024). Natürlich gibt es auch konkrete Tipps und Übungen, wie die Persönlichkeit entwickelt werden kann, beispielsweise anhand dem sogenannten Fear Sitting. Dabei stellt man sich den eigenen Ängsten, lässt diese zu und setzt sich damit auseinander. So bekommt man ein tieferes Verständnis für die eigenen Ängste und kann mit ihnen besser umgehen (Rilke, 2024). Auch sollte man sich intensiv mit der Frage nach dem «Warum» auseinandersetzen: «Warum tue ich das, was ich tue?» und «Was treibt mich wirklich an?» (Rilke, 2024).
Exkurs: PSI-Theorie
Die Persönlichkeits-System-Interaktionen, kurz PSI-Theorie, befasst sich damit, wie vier psychische Systeme miteinander interagieren und so Verhalten und Persönlichkeit steuern können. Das Intentionsgedächtnis, die intuitive Verhaltenssteuerung, das Extensionsgedächtnis und das Objekterkennungssystem wurden vom deutschen Persönlichkeitsforscher Julius Kuhl genauer betrachtet. Diese Systeme stehen in enger Wechselwirkung und werden durch zwei zentrale Affektregulationsmechanismen gesteuert: Positive Affekte bahnen den Übergang zwischen Intentionsgedächtnis und Verhaltenssteuerung, während die Hemmung negativer Affekte den Zugang zum Extensionsgedächtnis ermöglicht.
Kuhl unterscheidet zudem zwischen handlungsorientierten und lageorientierten Personen: handlungsorientierte Personen können ihre Emotionen flexibel regulieren und Ziele effektiv umsetzen, während lageorientierte Personen eher in negativen Gefühlszuständen verweilen. Somit schlägt die PSI-Theorie eine Brücke zwischen Motivation und Volition (Kuhl & Strehlau, 2014).
Vom Wollen zum Werden
Motivation bringt uns ins Träumen, während Volition uns ins Handeln bringt. Die Persönlichkeitsentwicklung bringt uns dahin, wo wir immer sein wollten. Diese drei Konzepte sollten jedoch nicht isoliert voneinander betrachtet werden, sondern ineinandergreifend. Wer sich nur auf die Motivation verlässt, merkt schnell, dass diese kommt und geht. Wer zusätzlich Volition besitzt, weiss auch dann weiterzumachen, wenn Motivation und Begeisterung für eine Sache nachlassen. Wer sich ergänzend dazu mit Persönlichkeitsentwicklung befasst, legt das Fundament für nachhaltige und tiefgreifende Veränderungen.
Der erste Schritt muss dabei kein grosser sein. Oft reicht eine einzige ehrliche Frage an sich selbst: «Wer möchte ich werden – und was tue ich heute dafür?» Und wenn Sie merken, dass Sie allein bei dieser Frage nicht weiterkommen, ist das keine Schwäche, sondern eine Chance, ein Coaching oder eine Begleitung in Anspruch zu nehmen, um in einem geschützten Raum dieser Frage nachzugehen.
Quellenangaben:
Achtziger, A., Gollwitzer, P. M., Bergius, R. J. W. & Schmalt, H. D. (2022). Motivation. Dorsch Lexikon der Psychologie. https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/motivation
Kuhl, J., Strehlau, A. (2014). PSI-Theorie: Die vier psychischen Erkenntnissysteme. In: Handlungspsychologische Grundlagen des Coaching. essentials. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-06475-4_2
Pelz, W. (2021). Von Motivation zur Volition. Institut für Management – Innovation Prof. Dr. Waldemar Pelz. https://www.volition-motivation.de/index.html
Rilke, M. (2024, 16. September). Persönlichkeitsentwicklung: Definition, Tipps und Beispiele. Stepstone. https://www.stepstone.de/magazin/artikel/persoenlichkeitsentwicklung
Storch, M. (2009). Motto-Ziel, SMART-Ziele und Motivation, in B. Birgmeier (Hrsg.), Coachingwissen. Denn sie wissen nicht, was sie tun? VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 183-205.
Storch, M. & Krause, F. (2002). Selbstmanagement – ressourcenorientiert, Verlag Hans Huber: Bern.
Studyflix (o. D.) Rubikon Modell. Studyflix. https://studyflix.de/biologie/rubikon-modell-5221
Sonja Kupferschmid
leitet als Co-Geschäftsführerin das Coachingzentrum in Olten. Die Arbeits- und Organisationspsychologin verbindet ihre Expertise in Produktentwicklung mit fundierter Coaching-Erfahrung und hat das Weiterbildungsportfolio des Coachingzentrums wesentlich mitgeprägt. Mit ihrer langjährigen Praxis hat sie sich als Spezialistin in den Bereichen Coaching, betriebliches Mentoring, Resilienztraining, Teamcoaching und Supervision etabliert.
Sophie Plüss
hat den Bachelorstudiengang Kommunikationswissenschaft & Medienforschung an der Universität Zürich erfolgreich abgeschlossen. Sie unterstützt das Coachingzentrum als Creative Assistant in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Produktentwicklung.



Coachingzentrum / Canva