Publikationsdatum: 20. März 2026
Mehr als Fachwissen: Zukunftskompetenzen in einer komplexen Arbeitswelt
Die Arbeitswelt befindet sich im permanenten Wandel: Steigende Kompetenzen und neue Technologien verändern nicht nur die Arbeitsprozesse, sondern auch die Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeitende. Fachwissen allein reicht zunehmend nicht mehr aus. Immer mehr gefragt sind Kompetenzen, die Orientierung, Zusammenarbeit und Anpassungsfähigkeit ermöglichen. Genau deshalb fokussiert sich die Arbeitswelt zunehmend auf Soft und Future Skills.
Im Arbeitsalltag helfen Soft Skills Mitarbeitenden, auch unter Zeitdruck und bei Unsicherheiten handlungs- und teamfähig zu bleiben.
Von Sonja Kupferschmid und Sophie Plüss
Lesedauer: ca. 9 Minuten
Im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten hat sich die Arbeitswelt in den letzten Jahren in relativ kurzer Zeit stark verändert: Digitalisierung und KI, der Fachkräftemangel sowie steigender Druck und Erwartungen verändern die heutigen Arbeitsalltag stark. Die Mitarbeitenden in Unternehmen müssen – genauso wie die Führungskräfte – für die zukünftigen Herausforderungen mit passenden Kompetenzen ausgerüstet sein. Spezialisierung innerhalb von Unternehmen und die häufig verfügbare Möglichkeit von Homeoffice, erschweren es, das aktuelle Know-how beziehungsweise der Weiterbildungsbedarf der einzelnen Mitarbeitenden einzuschätzen. Oft erfordern die einzelnen Stellen auch individuelle Schulungen. Dies macht Teams vielfältiger, jedoch auch schwieriger zu koordinieren und auf alle Bedürfnisse einzugehen (Kueffer, 2023). Zusätzlich ist die heutige Arbeitswelt durch ein hohes Veränderungstempo und wachsender Unsicherheit geprägt. Entscheidungen werden häufig auf unvollständiger Informationslage basierend getroffen und die Rahmenbedingungen und Anforderungen ändern ständig. Dies erhöht den Druck weiter (OECD, 2023). Auch werden immer höhere Ansprüche an die kognitiven Kompetenzen der Mitarbeitenden gestellt. Sich immer mehr Wissen, zum Beispiel zu neuen Technologien, anzueignen und mehrere Aufgaben zur selben Zeit zu erledigen, gehören mittlerweile in vielen Jobs fest zum Arbeitsleben (WBDG, o. D.).
Die Rolle von Soft Skills im modernen Arbeitsalltag
Soft Skills sind persönliche und soziale Kompetenzen, wie zum Beispiel Selbstvertrauen, Kommunikationsfähigkeit und Stressresistenz (Heppner, 2017). Sie bilden eine zentrale Grundlage für eine gelingende berufliche und persönliche Zusammenarbeit, da sie den Umgang mit anderen Menschen, Herausforderungen und Veränderungsprozessen prägen (Redaktion-accadis, 2023). Im Arbeitsalltag helfen Soft Skills Mitarbeitenden dabei, auch unter Zeitdruck und bei Unsicherheiten handlungs- und teamfähig zu bleiben (OECD, 2023). Insbesondere in Arbeitskontexten, welche durch eine hohe Dynamik und Teamarbeit geprägt sind, gewinnen Soft Skills immer mehr an Bedeutung (Education Dynamics, 2024).
Parallel dazu nimmt die Komplexität von Projekten und Arbeitsprozessen in Unternehmen stetig zu (Cooke-Davies & Patton, 2008). Die zunehmende Vernetzung von Aufgaben, der technologische Wandel sowie der Umgang mit daraus resultierenden Unsicherheiten führen dazu, dass mehr als nur ausgeprägtes Fachwissen benötigt wird, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Vielmehr sind vermehrt Fähigkeiten gefragt, die den Umgang mit Krisen, Herausforderungen und Belastungen ermöglichen (WBDG, o. D.). Diese Entwicklung wird auch von empirischen Studien untersucht: Der Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung zeigt Folgendes: Die Analyse von über 48 Millionen Stellenanzeigen zeigte, dass insbesondere in Krisenzeiten die Nachfrage nach Kompetenzen wie Frustrationstoleranz, Datensicherheit und Einfühlungsvermögen stark gestiegen ist, während Kompetenzen wie Präsentationsfähigkeit und Verhandlungsgeschick etwas weniger gefragt waren. Die Soft Skills Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit und Selbstständigkeit wurden in Online-Jobanzeigen im Jahr 2021 am meisten nachgefragt. In sogenannten Dauerkrisen müssen die Mitarbeitenden immer resilienter und empathischer sein, um den Anforderungen gerecht zu werden (Noack et al., 2022).
Future Skills als zukunftsgerichtete Kompetenz der Arbeitswelt
Neben Soft Skills steigt auch die Nachfrage und Bedeutung sogenannter Future Skills. Dies sind spezifische Kompetenzen, die in der zukünftigen Arbeitswelt als besonders relevant gelten, da sie den professionellen Umgang mit technologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen ermöglichen. Dazu zählen unter anderem digitale Kompetenzen, analytische Fähigkeiten und die Fähigkeit, mit Daten umzugehen. Während Future Skills einen integralen Bestandteil der Soft Skills darstellen, erweitert sich der Kompetenzbegriff um zukunftsgerichtete Fähigkeiten, die es den Mitarbeitenden ermöglichen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und an neue Gegebenheiten anzupassen. Im Unterschied zu den klassischen Kompetenzen sind Future Skills weniger auf eine spezifische Tätigkeit beschränkt, sondern zielen auf die langfristige Anpassungs- und Lernfähigkeit der Mitarbeitenden ab (Herdin et al., o. D.; Schmidt, 2025). Die wachsende Bedeutung von Future Skills ist auf immer umfassendere Digitalisierung, den Einbezug von künstlicher Intelligenz in Arbeitsabläufen, sowie die Unvorhersehbarkeit der weiteren Entwicklung von Arbeitsprozessen zurückzuführen. Im Vordergrund steht nun nicht mehr nur reines Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, sich laufend neues Wissen anzueignen, bestehende Kompetenzen zu erweitern und reflektieren sowie auf neue Anforderungen agil und flexibel zu reagieren. Die Aneignung solcher überfachlichen Kompetenzen ermöglicht zur Handlungsfähigkeit in einer hoch dynamischen Arbeitswelt (Schmidt, 2025).
Future Skills stehen jedoch nicht in Konkurrenz zu Soft Skills. Während Soft Skills die Grundlage für eine stabile Zusammenarbeit bilden, beinhalten Future Skills die Anpassungs- und Lernfähigkeit insbesondere in unvorhersehbaren Situationen und Herausforderungen. Insgesamt wird durch beide Kompetenzbereiche deutlich, dass die Arbeitswelt der Zukunft von den Mitarbeitenden nicht nur Fachwissen fordert, sondern auch die ständige Weiterentwicklung und Anpassung überfachlicher Kompetenzen.
Prozessmanagement als Zukunftskompetenz
Die systematische Gestaltung, Steuerung und kontinuierliche Verbesserung von Prozessen in Organisationen werden als Prozessmanagement bezeichnet. Dabei werden die Prozesse von der ersten Idee bis hin zum Ergebnis untersucht. Im Prozessmanagement werden Prozesse transparent gemacht, analysiert und effizient, wirksam und möglichst fehlerfrei gestaltet. Die Verbindung von fachlichen, menschlichen und organisatorischen Aspekten spielt beim Prozessmanagement eine entsprechend grosse Rolle. Einzelne Aufgaben sollen nicht isoliert betrachtet, sondern als Bestandteil zusammenhängender Abläufe verstanden werden (Dumas et al., 2018; Becker & Kahn, 2012). Wenn Prozesse in einem Unternehmen umfassend verstanden werden, unterstützt dies den sinnvollen Ressourceneinsatz, die Lösungen von Schnittstellenproblemen und die nachhaltige Umsetzung von Veränderungen. Prozessmanagement fördert bereichsübergreifendes Denken, die Stärkung der Zusammenarbeit und Orientierung in Zeiten des Wandels. Das sind essentielle Kompetenzen für Fach- und Führungskräfte sowie im Coaching und in der Organisationsentwicklung (Durst et al., o. D.; World Economic Forum, 2023).
Lernen, Reflexion und Anpassung als Erfolgsfaktoren
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass sich die Anforderungen an Organisationen und Mitarbeitenden in einer zunehmenden dynamischen Arbeitswelt fortlaufend verändern. Technologische Innovationen, ihre Einbettung in Organisationen und hybride Arbeitsformen wirken sich nicht nur auf die Art des Arbeitens aus, sondern auch auf die Kompetenzen, die für solche Anpassungsprozesse benötigt werden. Vor diesem Hintergrund wird es für Organisationen immer wichtiger, Kompetenzentwicklung und Prozessmanagement langfristig und nachhaltig zu etablieren. Lernfähigkeit, Reflexionskompetenz und die Bereitschaft bestehende Routinen infrage zu stellen, sind hierbei die zentralen Erfolgsfaktoren. Sorgfältiges Prozessmanagement in Verbindung mit Soft und Future Skills etabliert diese Erfolgsfaktoren nachhaltig in Unternehmen (OECD, 2023).
Dieser Artikel wurde bereits in der Ausgabe 1/26 von Collage veröffentlicht.
Quellenangaben:
Becker, J. & Kahn, D. (2012). Der Prozess im Fokus. In J. Becker, M. Kugeler, M. Rosemann (Hrsg.), Prozessmanagement – Ein Leitfaden zur prozessorientierten Organisationsgestaltung (7. Aufl.). SpringerGabler.
Becker, J., Berning, W. & Kahn, D. (2012). Projektmanagement. In J. Becker, M. Kugeler, M. Rosemann (Hrsg.), Prozessmanagement – Ein Leitfaden zur prozessorientierten Organisationsgestaltung (7. Aufl.). SpringerGabler.
Cooke-Davies, T., & Patton, S. E. (2008). Developing the organizational capacity to deliver complex projects. Paper presented at PMI® Global Congress 2008—North America, Denver, CO. Newtown Square, PA: Project Management Institute. https://www.pmi.org/learning/library/developing-organizational-capacity-solve-project-complexity-6995
Durst, M., Hertkorn, S., Eischer, C. & Schweisser, N. (o. D.). Prozessmanagement Definition: Was versteht man darunter? Der Prozess Manager. https://der-prozessmanager.de/aktuell/wissensdatenbank/prozessmanagement-definition
Dumas, M., La Rosa, M., Mendling, J. & Reijers, H. A. (2018). Fundamentals of Business Process Management (2. Aufl.). Springer.
Education Dynamics. (2024, 25. März). The Role of Soft Skills in the Workplace: Why They Matter. Carson-Newman. https://www.cn.edu/cps-blog/the-role-of-soft-skills-in-the-workplace-why-they-matter/
Heppner, H. (2017). Soft Skills: Etwas anderes Doping. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 51(27). https://doi.org/10.1007/s00391-017-1358-4
Herdin, G., Wink, R., Fingerhut, J. & Klemme, L. (o. D.). Future Skills -Welche Kompetenzen werden am Arbeitsmarkt in der Zukunft benötigt? Bertelsmann Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/beschaeftigung-im-wandel/future-skills
Kueffer, C. (2023, 09. August). The complexity oft he modern workplace and why skills matter. Learningpool. https://learningpool.com/blog/why-skills-matter
OECD. (2023). OECD Skills Outlook 2023: Skills for a Resilient Green and Digital Transition, OECD Publishing, Paris. https://doi.org/10.1787/27452f29-en
PRIME Business Process Management. (2023, 31. März). Top 5 Myths about Business Process Management in 2023. https://www.primebpm.com/business-process-management-myths
Redaktion-accadis (2023. 18. Dezember). Soft Skills und Future Skills. Accadis Hochschule. https://www.accadis.com/Soft-Skills-und-Future-Skills_3158.aspx
Schauer, J. (2025, 04. August). Prozessmanagement: Definition, Nutzen, Ziele & Beispiele. Setting Milestones. https://www.settingmilestones.com/blog/prozessmanagement
Schmidt, J. (2025, 15. Dezember). Future Skills entwickeln – und den Wandel aktiv mitgestalten. Haufe Akademie. https://www.haufe-akademie.de/blog/themen/persoenliche-kompetenz/future-skills/
WBDG (o. D.). The Changing Nature of Organizations, Work, and Workplace. WBDG Whole Building Design Guide. https://www.wbdg.org/resources/changing-nature-organizations-work-and-workplace
World Economic Forum. (2023). Future of Jobs Report 2023. Insight Report. https://www.weforum.org/publications/the-future-of-jobs-report-2023/
Sonja Kupferschmid
leitet als Co-Geschäftsführerin das Coachingzentrum in Olten. Die Arbeits- und Organisationspsychologin verbindet ihre Expertise in Produktentwicklung mit fundierter Coaching-Erfahrung und hat das Weiterbildungsportfolio des Coachingzentrums wesentlich mitgeprägt. Mit ihrer langjährigen Praxis hat sie sich als Spezialistin in den Bereichen Coaching, betriebliches Mentoring, Resilienztraining, Teamcoaching und Supervision etabliert.
Sophie Plüss
hat den Bachelorstudiengang Kommunikationswissenschaft & Medienforschung an der Universität Zürich erfolgreich abgeschlossen. Sie unterstützt das Coachingzentrum als Creative Assistant in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Produktentwicklung.



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